Hier gibt es jetzt erst einmal "graue" Theorie, ich weiß, es ist viel zu lesen, aber es ist wichtig, um die Zusammenhänge besser verstehen zu können. Da ich weder Politikerin noch Medizinerin bin und hier nichts falsches schreiben möchte, zitiere ich einfach mal:

"Im Zuge des Gesundheitsreformgesetzes 2000 erfolgte auch eine Änderung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes mit der Vorgabe, dass für alle stationären Krankenhausleistungen die bisher abgerechneten Entgelte (im wesentlichen tagesgleiche Pflegesätze) durch ein neues Vergütungssystem zum 01.01.2003 abgelöst werden sollen. Das zukünftige Vergütungssystem soll leistungsorientiert und pauschalierend sein und bei praktikablen Differenzierungsgrad Komplexitäten und Comorbiditäten (d.h. Schwierigkeiten sowie Besonderheiten und Nebendiagnosen der Behandlung) abbilden. Bei dieser Gesetzesänderung handelt es sich um die einschneidenste Änderung der Krankenhausfinanzierung in Deutschland seit Jahrzehnten. Zum vorgesehenen Einführungszeitpunkt 01.01.2003 werden die bisherigen Abteilungspflegesätze, der Basispflegesatz sowie die bisherigen (wenigen) Fallpauschalen und Sonderentgelte komplett durch 600 – 800 Fallpauschalen (sog. DRG‘s - Diagnosis Related Groups) ersetzt. In einem DRG-System werden alle stationären Fälle jeweils spezifischen Behandlungsfallgruppen zugeordnet, die ähnliche Behandlungsfälle aufgrund vorliegender Daten wie Diagnosen, Prozeduren, Leistungen sowie weitere patientenbezogene Merkmale wie Alter, Gewicht, und Verweildauer vereint. Durch diese Klassifikationssysteme werden Fallgruppen gebildet, mit denen klinisch ähnliche und möglichst kostenhomogene Fälle in derselben Gruppe zusammengeführt werden. Mit den DRG-Fallpauschalen sollen Leistungen des Krankenhauses, quasi als „Produkte“, für alle Beteiligten transparent dargestellt werden.

Nach umfangreichen Systemvergleichen von bereits international eingesetzten Patientenklassifikationssystemen haben sich die Selbstverwaltungsparteien am 27.06.2000 auf das australische AR-DRG-System als Basis für das deutsche G-DRG-System (G für German) geeinigt. Das australische DRG-System wurde als Basis für Deutschland gewählt, da es medizinisch auf aktuellstem Stand ist und zugleich in der Lage sei, mit Hilfe eines sehr ausgefeilten Systems die ökonomischen Schweregrade der Patienten gut abzubilden. Das australische System kann jedoch aufgrund unterschiedlicher Finanzierungsstrukturen und ordnungspolitischer Rahmenbedingungen in Australien nicht 1:1 übertragen und damit unverändert in Deutschland eingeführt werden. Wie bereits eingangs erwähnt, folgt die primäre Bildung einer Fallgruppe nach ökonomischen (und nicht nach medizinischen) Kriterien. Dabei werden Fälle in einer Fallgruppe zusammengefasst, die im Mittel die gleichen Ressourcen verbrauchen. Zu dieser Fallgruppenbildung ist es notwendig, auch für Deutschland zunächst umfangreiche statistische Analysen von Morbiditätsdaten (Diagnose, Prozeduren, Alter etc.) im Kontext zu Kosten – und/oder Verweildauerdaten durchzuführen.

Da mit den DRG-Preisen der komplette Behandlungsfall von der Aufnahme bis zur Entlassung unabhängig von der Liegezeit vergütet wird, ist nach Einführung der DRG‘s in 2003 mit einer deutlichen Verkürzung der Verweildauern in den deutschen Krankenhäusern zu rechnen. Aus internationalen Erfahrungen ist bekannt, dass ein fallpauschalierendes Entgeltsystem dazu neigt, bei vorgegebenen einheitlichen Preisen notwendige Kostensenkungen durch reduzierte Qualität zu erreichen. Um dem entgegen zu wirken, müssen Krankenhäuser verpflichtet werden, ein internes Qualitätsmanagement einzuführen und sich an den gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherungsmaßnahmen zu beteiligen. Sind Krankenhäuser zukünftig nicht in der Lage, diesen Verpflichtungen nachzukommen, werden die Erlöse reduziert

Nach dem Anfang Juli 2001 vorgelegten Gesetzesentwurf für ein DRG-Einführungsgesetz soll für das Jahr 2003 ein optionaler (freiwilliger) Einstieg in das neue Vergütungssystem erfolgen. Ab dem Jahr 2004 ist dann das DRG-System verpflichtend einzuführen. Mit dem Start des DRG-Systems zum 01.01.2003 bzw. 01.01.2004 folgt eine budgetneutrale Einführungsphase bis 31.12.2004, in der zwar bereits die DRG-Fallpauschalen abgerechnet werden müssen, das mit den Kostenträgern ausgehandelte „gedeckelte“ Budget jedoch noch unverändert bleibt. Durch diese ein- bzw. zweijährige Einführungsphase sollen die Krankenhäuser die Chance erhalten, ihre Kosten- und Leistungsstrukturen an das neue DRG-Budget anzupassen. Allgemein wird damit gerechnet, dass die einzelnen Krankenhausbudgets sich zwischen 20 und 30 % nach oben oder (wahrscheinlicher) nach unten verändern werden. Krankenhäusern, denen es nicht gelingt, ihre Kostenstrukturen entspr. anzupassen, laufen Gefahr mittelfristig aus dem Markt auszuscheiden.

Ab 2005 erfolgt dann eine stufenweise Angleichung der bisherigen Krankenhausbudgets an das neue DRG-Preisniveau mit der Zielsetzung, ab 01.01.2007 alle Krankenhausleistungen nach einem einheitlichen DRG-Preis abzurechnen. Nach den Vorstellungen des Bundesministeriums für Gesundheit wird für den Zeitraum ab 2007 ein Festpreissystem vorgegeben, mit dem die von den Krankenhäusern erbrachten Leistungen grundsätzlich zu den allgemeinen DRG-Preisen (feste einheitliche Preise) vergütet werden. Das Krankenhaus kann mit den Krankenkassen (gemeinsam oder mit einzelnen Kassen/Kassenarten) freiwillig niedrigere Vergütungen vereinbaren. Dagegen sind Budgets oder Erlösvolumina nicht mehr zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen zu vereinbaren. Um weiterhin die Beitragssatzstabilität der Krankenversicherungsbeiträge zu garantieren, werden eingetretene Mengensteigerungen bei den jährlichen Preisanpassungen auf der Bundes- bzw. Länderebene grundsätzlich zu einer Absenkung der DRG-Fallpauschalen, bzw. der Basisfallwerte, und damit zu niedrigeren DRG-Erlösen im Einzelfall führen."

von:

Peter Berghöfer
Leiter Dezernat
Rechnungswesen/Controllin

Quelle und noch mehr Infos:

http://www.med.uni-marburg.de/stpg/allgemein/klinaktuell/nr16/DRG.html

 

Links erscheint kein Menü? Bitte hier klicken!