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Was ist ein Frühchen?

Auszüge aus: http://www.medicine-worldwide.de/sexualitaet_fortpflanzung/geburt/fruehgeburt.html

"Von einer Frühgeburt spricht man bei der vorzeitigen Entbindung eines lebenden Kindes. Noch bis vor einigen Jahren bedeutete vorzeitig, dass die Schwangerschaftsdauer zwischen 28 und 37 Wochen betrug und das Geburtsgewicht zwischen 1000 und 2500 g lag. Die aktuelle Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) legt fest, dass bereits ein Kind, das nach der 24. Schwangerschaftswoche geboren wird, mehr als 500 g wiegt und Lebenszeichen, wie Herzschlag, Atmung oder Nabelschnurpulsationen zeigt, eine Frühgeburt ist. Die Obergrenzen wurden beibehalten (2500 g, 37. Woche).....

...Die Symptome sind vorzeitig einsetzende Wehentätigkeit und/oder ein Blasensprung. In jedem Fall sind bei einer drohenden Frühgeburt Überwachung und Behandlung im Krankenhaus notwendig. Bettruhe, wehenhemmende Medikamente sowie Kortison zur Lungenreifung des Kindes oder auch die Durchführung der Geburt sind mögliche therapeutische Maßnahmen....

... Die wohl am schwersten wiegende Komplikation ist der Verlust des Kindes. Störungen der Anpassung des Kindes an das Leben außerhalb des Mutterleibes, z.B. Atmung, Wärmeregulation, Herzkreislauffunktion, müssen in Frühgeborenen-Zentren behandelt werden. Schädigungen des Kindes werden oft erst zu einem späteren Zeitpunkt sichtbar....

....Die Prognose des Kindes hängt von der Schwangerschaftsdauer, dem Geburtsverlauf und eventuellen Komplikationen ab. Hier können sich insbesondere Hirnblutungen auf die spätere Entwicklung negativ auswirken. Insgesamt muss festgehalten werden, dass jede Frühgeburt mit einem erhöhten Risiko für das Kind verbunden ist."

 

In Deutschland werden jährlich ca. 800 000 Babys geboren. Davon beginnen 50 000 Babys ihr Leben, bevor die 37. SSW vollendet ist. 8000 Babys bringen bei der Geburt weniger als 1500g auf die Waage. Laut welt.de haben diese Kinder heute eine Überlebenschance von 85%. Die Entwicklung dieser Kinder gestaltet sich, genau wie bei "Normalgeborenen" ganz individuell. Manche haben bei 600g Geburtsgewicht weniger Schwierigkeiten als Kinder mit über 1500g, jedoch sind sie durch die Unreife der verschiedenen Organe anfälliger, eine Behinderung "mitzunehmen". Eine lange Klinikzeit, verbunden mit unbekannten Geräuschen, fremde Menschen, Sensoren, Kabeln, Maschinen und Schmerzen, liegt vor ihnen. Meist bekommen die Kleinen von Geburt an Krankengymnastik (>>Info) . Eine Frühgeburt ist für die meisten Familien sehr belastend. Die Familie sorgt sich sehr um das Kind. Oftmals hat die Mutter Schuldgefühle, weil sie ihr Kind nicht länger austragen durfte. Die größeren Geschwister verstehen nicht, warum Mama und Papa so oft im Krankenhaus sind und fragen sich, warum das Baby nicht zuhause ist. Dies alles muss eine Familie als Ganzes verkraften und jedes Familienmitglied für sich verarbeiten.

 

Wie können sich die DRG's bei Frühchen bezüglich der Versorgung, der Betreuung und der Gesundheit auswirken?

Jeder kennt es: man hat weniger Geld zur Verfügung, also muss man anfangen, an irgendwelchen Stellen zu sparen. Was im normalen Leben abläuft, kann sicherlich auch auf die Finanzierung von Frühchen übertragen werden. Nur, wo beginnen diese Einsparungen, wo enden sie? Werden diese Einsparungen im pflegerischen Bereich, sprich bei den eh schon überlasteten Krankenschwester und Pfleger, angesetzt? Werden zukünftig weniger Geräte, die für die Versorgung der Kleinen so wichtig sind, zur Verfügung gestellt? Oder wird an den Medikamenten gespart?

Die Sendung des Politmagazins "Report" vom 21.07.2003 hat für viel Wirbel und für kontroverse Meinungen gesorgt.Trotz allem oder gerade deshalb diese Zusammenfassung:

"Baden-Baden (rpo). Nach Informationen des ARD Politikmagazins "Report Mainz" ist die ärztliche Versorgung von "Frühchen" mit geringem Geburtsgewicht in Gefahr. Im Katalog der sogenannten Fallpauschalen ist für Kinder, die bei Geburt weniger als 500 Gramm wiegen, keine Vergütung medizinischer Leistungen vorgesehen.

Auch bei der Versorgung der Kinder mit höherem Geburtsgewicht drohen drastische Einschnitte. Die Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin befürchtet, die derzeit gut funktionierende Versorgung der Frühgeborenen stehe dadurch "vor dem Zusammenbruch".

Die Kosten für die medizinische Versorgung solcher Frühchen liegen bei maximal 1.000 Euro pro Tag. Im Durchschnitt verbringen die Kinder etwa 100 Tage im Brutkasten. Auch für Kinder, die bei Geburt schwerer sind als 500 Gramm, drohen Leistungskürzungen. Insgesamt sollen die Kliniken nach den neuen Fallpauschalen durchschnittlich 25 Prozent weniger Geld ausgeben dürfen als heute. Diese Einsparung sei, so Linderkamp nur durch Personalkürzungen erreichbar.

Linderkamp geht davon aus, "dass cirka 1.000 Kinder weniger überleben werden und mindestens so viele Kinder zusätzlich behindert sein werden, alleine durch diese Veränderung des Vergütungssystems." Es sei "besonders tragisch, dass am Ende diese zerbrechlichen, kleinen Frühgeborenen ganz durch das Raster der Bezahlung fallen."

Zur Zeit haben in Deutschland auch Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 750 Gramm gute Überlebenschancen. Bislang wird die medizinische Versorgung aller Frühgeborenen von den Kassen bezahlt, unabhängig vom Körpergewicht. Professor Otwin Linderkamp, ärztlicher Direktor an der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg befürchtet, dass die neue Regelung gerade zu Lasten der Kleinsten gehen wird.

Im Interview mit "Report Mainz" warnt Linderkamp: "dass die extrem kleinen Frühgeborenen gar nicht mehr versorgt werden, also Kinder unter 600 Gramm, vor allem aber Kinder unter 500 Gramm oder Kinder mit einer Schwangerschaftsdauer von 22, 23 Wochen, weil die eben besonders hohe Kosten verursachen und das ist natürlich nichts anderes als Selektion."

Aus Sicht der Bundesregierung ist die Versorgung der Frühgeborenen jedoch nicht gefährdet. Marion Caspers-Merk, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (>>Info) sagte "Report Mainz": "Es gibt von uns keine Benachteiligung, sondern dieser (Fallpauschalen-) Katalog ist mit Praktikern erarbeitet worden und ich gehe davon aus, dass dies nach sehr sorgfältiger und intensiver Prüfung erfolgte und es wird auch in Zukunft gewährleistet sein, dass die Versorgung der Schwächeren da ist."

Die zuständige medizinische Fachgesellschaft weist diese Darstellung zurück. Professor Ludwig Gortner, Vorsitzender der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (>>Info) hatte das Bundesgesundheitsministerium bereits im Februar gewarnt, die Versorgung der Früh- und Neugeborenen in Deutschland stehe durch das neue Vergütungssystem "vor dem Zusammenbruch".

Gortner in "Report Mainz": "Diese Gesetzesvorlage ist - wenn sie eins zu eins umgesetzt wird - ein Zwang zu einer Auswahl der Patienten, die wir so nicht akzeptieren und umsetzen werden."

Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/wissenschaft/medizin/14373

SWR Report direkt, mit der Möglichkeit, die Sendung auf Video anzuschauen:: http://www.swr.de/report/archiv/sendungen/030721/02/frames.html

 

Nun stellt sich wieder die Frage:

Wem soll man mehr Glauben (schenken)?

 

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